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Moritz

MORITZ – Mobiler Rundgang in europäischen Textilindustrie-Zentren

Förderung: Programm „Kultur2000“ der Europäischen Union

Laufzeit: 01.10.2006 bis 30.09.2007

Im Projekt MORITZ wurde ein mobiler Rundgang mit einer übertragbaren Methode für drei Museumsareale der Textilindustrie entwickelt. Die mobilen Assistenten sind im Herbst 2007 als Erweiterung der Ausstellungen der Museen in Delmenhorst, Riga und Lodz erfolgreich in Betrieb genommen worden. Der mobile Assistent vermittelt dem Museumsbesucher audiovisuell Informationen zu den drei zentralen, gemeinsamen Aspekten – Gestaltung, Arbeits- und Lebensverhältnisse – an den Originalschauplätzen. Die Orte des industriellen, kulturellen Erbes sind gekennzeichnet durch große Räume und weite Distanzen. Der klassische Ausstellungsraum dehnt sich auf diese Orte aus und dem Museumsbesucher wird mit Hilfe eines mobilen Museumsmediums größere Flexibilität ermöglicht. Historische Ansichten der Schauplätze, Bilder und Filme von Menschen, die an diesen Orten gearbeitet haben, sowie begleitende Erläuterungen und Berichte, die zum großen Teil auf Zeitzeugen zurückgehen und auch die Gemeinsamkeit mit den anderen Orten kennzeichnen, vermitteln rekonstruierend und reflexiv die Einheit von Originalschauplätzen und zeitgemäßer musealer Aufarbeitung des europäischen industrie- kulturellen Erbes.

Das gemeinsame Erbe

Die historischen Standorte der Textilindustrie in Lodz, Riga und Delmenhorst gingen in ihrer Geschichte eine Verbindung von industrieller Fertigung, Gestaltung und Arbeit ein. Lodz, das „Manchester des Ostens“, verbindet in seinem Central Museum of Textiles, der „Weißen Fabrik“ die Darstellung aller Textilindustrieprozesse mit dem Aspekt des Tapisserie-Designs, der ebenso mit dem Museum-of-Decorative-and-Applied-Art in Riga beheimatet ist. In Delmenhorst grenzen an das Nordwolleareal mit seinem Fabrik- und Stadtmuseum auch die Linoleumwerke an. Die drei Orte der Industriekultur haben eines gemeinsam: Sie erzählen nicht nur von den gewaltigen Maschinenparks ihrer Zeit und den dazugehörigen Güterwegen durch die Kontinente, sondern darüber hinaus vom Leben der Menschen, an den Maschinen - unabhängig davon in welcher dieser Städte sie standen. Und noch etwas: mit der Industriekultur entwickelte sich ein Gestaltungsdenken in Europa, das von den regional-folkloristischen Gestaltungstraditionen zu fast mathematisch-formalisierten Designprinzipien quer durch Europa überleitete. Der mobile Museumsrundgang wurde entsprechend dieser gemeinsamen kulturellen Anforderung methodisch als ein übertragbares Medium entwickelt - gemeinsam von Museumspädagogen, Historikern, Kulturwissenschaftlern und Medieninformatikern aus den beteiligten Institutionen.

 




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